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Archiv für die Kategorie „Was ist Kommunikationsdesign?“

Die drei großen M’s unserer Zeit: Multioptional. Multimedial. Multitasking.

Donnerstag, 7. März 2013

Früher war alles zu seiner, heute ist viel mehr zur gleichen Zeit. Was hat das mit Design zu tun?

Entscheiden musste der Mensch schon immer: Jäger oder Sammler? Bleiben oder Weiterziehen? Gefressen werden oder fressen? Aber im Gegensatz zu unseren Vorfahren stellen sich heute die Fragen:

Mexikanisch? Türkisch? Griechisch? Gut bürgerlich oder 3 Sterne? Sushi oder Bismarckhering? Jamie Oliver? Tim Mälzer oder Alfons Schuhbeck? Sollen wir Kalorienbomben essen oder kalorienreduziert? Biologisch? Organisch? Vegetarisch? Veganisch? Rechts- oder linksdrehend? Fein- oder Schonkost? Oder Pizza? Margarita? Salami? Tonno? Calzone? Beim Italiener? Oder aus dem Supermarkt? Edeka? Rewe? Lidl? Aldi? Wagner oder Dr. Oetker? Oder doch lieber Ham- oder Cheeseburger? Von Burger King oder McDonalds? Oder Chickenwings bei KFC? Oder ein Sandwich von Subways? …

In nahezu allen Bereichen können wir unser Leben frei gestalten.

Wir wählen unsere Ausbildung, den Beruf, den Partner, ob Kinder und wenn ja wie viele? Unseren Urlaub: Pauschal, individuell, heiß, kalt, Berge, Meer, beides. Die Art der Freizeitgestaltung: Zuhause, Kino, Bar, Restaurant. Wir wählen unser Auto oder keins als Status- oder Understatementsymbol, als Zeichen der Technikbegeisterung oder Symbol der ökologischen Orientierung.

Wir lesen Websites, Blogs, Teletext, Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und Bücher. Belletristik oder Lyrik. Klassiker oder Sachbücher. Uta Danela, Günther Grass, Dan Brown, Daniel Kehlmann. Wir spielen On- oder Offline. PC, Mac, Playstation, Wii, Fußball, Golf.

Wir sehen und/oder hören Florian Silbereisen oder Nine Inch Nails, Jay Z oder Joe Jackson, André Rieu oder Schönhausen.  Im TV, auf YouTube oder iTunes, Spotify oder Deezer. Wir kaufen unsere Kleidung bei C&A, P&C, H&M oder Gucci und Prada. Wir glauben an Gott, Allah, Buddha, an alle zusammen oder nichts. Wir entscheiden mit unseren Spenden an Hilfsorganisationen sogar wem geholfen wird und wem nicht…

Der Abschied von der Linie.

Unsere Gesellschaft befindet sich (immer noch) im Übergang von der Moderne zur Postmoderne. Die Moderne war geprägt von der Industriegesellschaft von der tayloristischen Taktung, der linearen Bearbeitung der Prozesse. Der Übersichtlichkeit und der Kontrollierbarkeit. Unsere (neue) Postmoderne wird digital geprägt, von Gleichzeitigkeit, Parallelität, Komplexität und vom Mooreschen Gesetz getriebenen, wachsenden digitalen und damit auch medialen Möglichkeiten.

Die Welt ist ein einziges großes Warenhaus.

Die Vielfalt der multimedial verbreiteten Optionen führt in eine extreme Wettbewerbssituation. Es ist so und wird zukünftig immer mehr so sein: Die Welt ist ein einziges großes Warenhaus. Alles ist/wird zur Ware, nicht nur materielle, sondern auch intellektuellen bzw. geistigen bzw. nicht physischen Leistungen, sogar soziale Kontakte. Und alles steht mit allem im Wettbewerb – vor allem um Aufmerksamkeit.–

„Weniger ist mehr“ als Option?

„Alles ist Ware“ mag viele erschrecken, provozieren und/oder Kopfschütteln auslösen, sie ist jedoch in einer Gesellschaft mit freiheitlichen Idealen eine logische Konsequenz, denn Freiheit bedeutet Optionen zu haben, Alternativen abwägen und auswählen zu können. Freiheit bedeutet auch die Option Risiken einzugehen und/oder sich für das Falsche zu entscheiden.

Die Option diese Entwicklung einzuschränken oder zu kontrollieren bedeutet automatisch Verlust von Freiheit. Letztendlich bedeutet Einschränkung und Kontrolle auch den Verlust von Energien und Potentialen, die unserer Gesellschaft, nicht nur, aber überwiegend, gutes und weitergebracht hat.

Andererseits ist alles auch nichts, wenn man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann. Was tun?

Hier kommt Design ins Spiel. Kommunikationsdesign, um genauer zu sein. 

Wie alles aus dem vergangenen Jahrhundert ist auch Design (noch) tayloristisch fragmentiert in Disziplinen, von denen jede sich für den wichtigsten Teil vom Ganzen hält.

Wettbewerbsorientierte Visionen, betriebswirtschaftliche Ziele, Profile, Images standen und stehen im Zentrum der unterschiedlichen Designbetrachtungen und das ist heute ein großes Problem. Es fördert Eigennutz – auch korporativen – und weniger das Gemeinwohl.

Die Persönlichkeit, die Identität, das „Ich“ (auch das kollektive) rückt dabei ins Zentrum der Betrachtung und damit auch des Handelns. Und das ist nicht mehr gut so, weil kontraproduktiv.

Gemeinsinn statt Eigennutz. Oder: Corporate Relevance statt Corporate Identity.

Bisher beschränken sich die meisten Überlegungen aus den einzelnen Oranisationen/Gemeinschaften heraus auf strategische.

Strategien sind immer aggressive, meist asoziale Handlungen, bei denen die Zielerreichung einer einzelnen Gemeinschaft das Handeln bestimmt. Im besten Konfliktfall einigt man sich auf einen guten Kompromiss. Die Alternative ist Sieg oder Niederlage.

Kommunikationsdesign ist der Schlüssel zu einer multioptionalen und damit besseren Welt, wenn sich ein Paradigma verändert:

Nicht „ich will“, sondern „(m)eine Gemeinschaft benötigt“, muss die zentrale Überlegung der kreativen Ressource „Design“ werden, welche dezentrale Handlungen steuert.

Der Zweck bzw. die Funktion bzw. der Nutzen heiligt die Mittel nicht mehr, die man braucht, um in einer multimedialen und multioptionalen Welt etwas zu verkaufen. Konkreter: Heute geht es nicht mehr darum Optionen zu verkaufen, sondern es geht darum Sinn und damit Bedeutung zu kreieren. Und zu vermitteln.

Werbung war gestern. Heute ist Kommunikationsdesign.

„Reklame“, also das Reklamieren und damit etwas für sich in Anspruch nehmen, ist schon lange nicht mehr. „Werbung“ war zuletzt Verführung, dass Entdecken und Wecken von Bedürfnissen. Das war gestern.

Heute ist Kommunikationsdesign die Kreation von (Gemein-) Sinn in einer scheinbar sinnlosen Zeit. Sinn schafft Bedeutung (Relevanz) und Bedeutung schafft Orientierung. Und Orientierung ist das, was der Mensch in einer freien, multimedialoptionalen Welt vor allem braucht. –

Warum Werbung heute nicht mehr das ist, was es früher einmal war.

Freitag, 26. Februar 2010

Wenn’s um’s Geld geht.

Sonntag, 10. Januar 2010

Es geht doch immer nur um das eine: Geld. Hat man zu wenig davon, hat man ein Problem, das gilt für Designer als auch für andere Berufsgruppen und Branchen.

Gleich zu Beginn des neuen Jahrzehnts sorgte eine Untersuchung für einigen Wirbel, die herausgefunden haben will, dass die meisten Berufsgruppen weniger verdienen als vor 20 Jahren.

Eine der wenigen Ausnahmen: Designer.

Viele Designer (vor allem sog. Grafikdesigner) sind da anderer Meinung. Siehe:

http://www.fontblog.de/grafikdesigner-verdienen-so-wenig-wie-nie-zuvor

Das Jammern ist groß: Die Krise ist schuld an zu geringen Honoraren! Und die Kollegen/innen, die Preisdumping betreiben. Auch die Auftraggeber sind schuld, denn sie wissen die Arbeit der (Grafik-) Designer nicht zu schätzen.

Außerdem sind als Schuldige die Hochschulen ausgemacht, die zu schlecht und zu viele (Grafik-) Designer ausbilden. Manche fordern gar Lobbyismus und einen Einheitsverband der deutschen Grafikdesigner…!?

Jammern hilft nicht, umdenken schon.

Die Welt ändert sich, nichts bleibt wie es war. Vor allem nicht der Beruf des (Grafik-) Designers, denn der wird im klassischen Sinne nicht mehr gebraucht. Sein „Herrschaftswissen“ ist obsolet geworden, weil jeder in der Lage ist mit einen PC und entsprechender Software zu gestalten.

So ein Quatsch, höre ich da jetzt viele raunen, gute grafische Gestaltung kann nicht jeder, vor allem handwerkliche Gestaltungsqualität wird gebraucht!

Wirklich!? Blicken wir doch der Realität mal ins Auge: Wenn das so wäre gäbe es dann (überhaupt) finanzielle Probleme in der Branche und solche Massen an gut funktionierender, aber „schlecht“ gestalteter grafischer Kommunikation? Was auch immer „schlecht” sein mag?

Ist Apple schöner als Aldi?

Was ist denn überhaupt „gutes“ grafisches Design? Und wer kann sich heute noch anmaßen das zu beurteilen? Ist z. B. das Design von „Aldi“ schlechter als das von „Apple“ – beide, im jeweiligen Markt, äußerst erfolgreiche Unternehmen.—

(Nur am Rande, die Wenigsten wissen: Das Aldi Nord Design wurde von Günter Fruhtrunk gestaltet, der in seinen besten Jahren als Künstler so anerkannt war wie heute Jonathan Ive als Designer.)

Vor

Während meiner Ausbildung pflegte Richard Zülch einer meiner damaligen Professoren oft zu sagen: „Man kann einen Haufen Scheiße golden anmalen, aber es bleibt ein Haufen Scheiße.“

Ich finde, er brachte damit das heutige Einkommensproblem der (Grafik-) Designer auf den Punkt.

Zu viele (Grafik-) Designer sind Dekorateure.

Auch hier höre ich jetzt raunen: „Unsinn! Stimmt nicht! Ich mache mir ganz immer Gedanken darüber warum ich diese oder jene Schrift, Farbe, Form etc. verwende!“

„Ich“ ist dabei meist das Problem, denn so mancher (Grafik-) Designer, den ich kenne, denkt viel zu sehr an „sich“ oder an andere Designer oder an seinen Kunden (gemeint ist hier der Auftraggeber) und viel zu wenig an den Kunden seines Kunden, an dessen Wünsche, Bedürfnisse und ästhetisches Empfinden. –

Wenn der Inhalt überzeugt ist die Verpackung sekundär.

Es geht in dieser multimedialen Welt nicht um Styling, um Typo- oder andere Gestaltungstrends, es geht heute mehr denn je um „Content“. Der Grund, so paradox es klingt, es gibt heute viel zu viel davon.

Aufmerksamkeit und Interesse sind im 21. Jahrhundert zur (teuren) Ressource geworden. Kreativität, die Fähigkeit neue Lösungen zu erarbeiten, wird in allen Bereichen gefordert.

Das ist sehr gut, denn Aufmerksamkeit, Interesse und gute Lösungen durch Kreativität ist die Kernkompetenz eines guten Designers.

Grafikdesign war gestern, heute ist Kommunikationsdesign.

Wahrhaben wollen es (noch) die wenigsten: „Grafikdesign“ gibt es nicht mehr!

Nicht ohne Grund werden heute an den Hochschulen „Kommunikationsdesigner“ ausgebildet, denn es geht in dieser unseren Informationsüberfluteten Zeit vor allem darum Botschaften und Inhalte zu kreieren, die Relevanz haben und bei Menschen ankommen.

Wenn diese Botschaft adäquat formal gestaltet wird umso besser, aber wie gesagt: sekundär.

Merke: Heute gilt „Form follows Content“. Mehr denn je sind Kommunikationsdesigner für die Gestaltung eines Inhalts bzw. der Botschaft verantwortlich.

Wer das begriffen hat und danach handelt, braucht nicht über sein Einkommen zu jammern. –

Was ist Kommunikationsdesign?
Sechster und letzter Teil.

Samstag, 10. Januar 2009

Was bisher geschah: Communicare“ [lat.] bedeutet „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, vereinigen, gemeinsam machen“. Kommunikation ist demnach eine soziale Handlung.

Kommunikationsdesign ist die Kreation einer gemeinsamen Idee die „gemeinsam machen“ möglich macht, indem sie Denken und Handeln unterschiedlicher Menschen und deren Fähigkeiten auf einen Sinn oder Zweck ausrichtet, um Aufmerksamkeit und Synergien zu erzeugen.

Bei der Übersetzung der gemeinsamen Idee (= Corporate Idea) in eine mitteilbare, nachvollziehbare und relevante Botschaft ( = Kommunikationsidee) geht es vor allem um die Motivation, den (inneren) Antrieb, der zur Verwirklichung der Idee führt.

Das Ganze ist und funktioniert viel einfacher als es klingt, deshalb hier, wie in Teil 5 versprochen, einige praktische Beispiele …

Das Unternehmen Bayerische Motoren Werke (BMW) produziert, wie viele andere Unternehmen auch, Automobile. Die sog. Kernkompetenz, also das, was BMW sehr gut kann, ist der Motorenbau. Der Grund: BMW kam über den Flugzeugmotorenbau zum Automobil.

Das BMW Logo, ein abstrahierter rotierender Propeller vor weiß/blauem Hintergrund (= die bayerischen Landesfarben), erinnert noch daran. Flugzeugmotoren sind im Allgemeinen anspruchsvollere und leistungsfähigere Aggregate als Automotoren. Ergo sollten BMW Automobile auch leistungsfähiger sein als andere. Daraus folgt:

BMW ist ein Automobilhersteller mit besonderer Triebwerkkompetenz.

So weit, so gut. Aber besonders motivierend ist das nicht. Weder für Mitarbeiter noch für potentielle Kunden.

Kommunikationsdesign setzt genau an dieser Stelle an, denn ab hier geht es um Kommunikation. Ab hier geht es darum die „besondere Triebwerkkompetenz“ zu vermitteln, d.h. interessant und relevant und damit erlebbar zu machen.

Es geht darum einen Gedanken zu gestalten, der das besondere Potential im Unternehmen bündelt. Um einen Gedanken, nach dem man handeln kann, der eine einigende und leitende Wirkung hat, indem er motiviert, differenziert, Aufmerksamkeit generiert und die Kraft hat sich auszudehnen.

Es geht um das Design einer gemeinsamen Idee und diese Idee muss prägnant und für jeden nachvollziehbar formuliert, d.h. in eine einfache Botschaft bzw. Kommunikationsidee übersetzt werden.

„Das Schwerste an einer Idee ist nicht, sie zu haben, sondern zu erkennen, ob sie gut ist.“

Das ist nicht das Zitat eines Designers, sondern von Chris Howland, einem auch in Deutschland bekannten, britischen Entertainer. Er bringt das Problem auf den Punkt: Die meisten guten Ideen verschwinden leider schnell, weil sie nicht als solche erkannt werden. Vielfach nicht von denen, die sie hatten, noch öfter nicht von denen, die darüber entscheiden müssen.

Gute Kommunikationsideen sind oft so unscheinbar einfach, dass es schwer fällt sie als Idee anzuerkennen, geschweige denn Geld dafür auszugeben. Aber: Grundlage guter Kommunikation sind gerade die (scheinbar) einfachen Ideen, auf die (vermeintlich) jeder hätte kommen können, weil sie jeder versteht.

Ein Dilemma für einen Kommunikationsdesigner, der sich, aus dem eben genannten Grund, nicht traut, vermeintlich einfache (Kommunikations-) Ideen seinem Kunden zu präsentieren. Auch, weil man als guter Designer den Anspruch haben sollte, originelle, überraschende Ideen zu produzieren. Das sollte man auch, aber alles zu seiner Zeit. —

Merke: Herauszufinden was zu sagen ist, ist der Beginn des Designprozesses. Und das ist eine gemeinsame Idee, übersetzt in eine einfache Botschaft.

Wie es gesagt wird, das heißt: Wie und wo ( d.h. in welchem Medium ) diese Botschaft immer wieder überzeugend und überraschend interpretiert/gestaltet wird, sorgt anschließend dafür, dass die Menschen hinschauen und reagieren.

Ab hier gilt: je origineller (= neu, schöpferisch, kreativ), desto besser, weil aufmerksamkeitsstärker und motivierender.

Aber zurück zum Beispiel BMW. Die gemeinsame Idee ist schnell erklärt und jedem bekannt, eben weil sie einfach ist:

Freude am Fahren.

Die Kommunikationsidee Freude am Fahren motiviert BMW Ingenieure immer leistungsfähigere Motoren zu konstruieren. Und Fahrzeuge, die ihre PS im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Straße bringen“.

Da ökologische Antriebstechnologien, wie z.B. der Hybridmotor, zwar sparsam, aber weniger leistungsfähig sind und damit weniger Fahrfreude bringen, setzen BMW Ingenieure konsequenterweise kurzfristig auf mehr Effizienz, vor allem aber langfristig auf den Wasserstoff-Verbrennungsmotor (Hydrogen 7).

Das Unternehmen geht mit dieser Entscheidung sogar bewusst ein unternehmerisches Risiko ein, weil diese Technologie (noch) eine sehr große Herausforderung ist. —

Freude am Fahren hilft dem BMW-Management Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel bei der Modellpolitik: Man findet keinen Familien-Van im BMW Modell-Angebot, obwohl ein sehr lukrativer Markt für diese Kategorie existiert. Aber diese Fahrzeugklasse verspricht keine Fahrfreude. BMW produziert aus dem gleichen Grund keine Nutzfahrzeuge. Stattdessen Motorräder und damit Freude am Fahren pur. —

Freude am Fahren inspiriert und motiviert auch die BMW-Fahrzeug- bzw. Produktdesigner, die jedem Modell ein aggressives, kraftvolles Aussehen verleihen, welches langsam fahrenden Fahrzeugen schon von weitem signalisieren die linke Spur zu verlassen, sodass die Freude eines BMW Fahrers ungetrübt bleibt (…bei BMW spricht man von „Überholprestige“). —


Freude am Fahren inspiriert und motiviert auch BMW-Innenraumdesigner, welche die Kraft und Dynamik der Fahrzeuge im Innenraum sicht- und erlebbar machen. Eine Besonderheit bei BMW Automobilen ist zum Beispiel die Instrumententafel über dem Schalthebel, die leicht zum Fahrer geneigt ist, weil nur er die Fahrfreude spürt. —

Freude am Fahren inspiriert und motiviert auch Messedesigner, die alles daran setzen sollten, die auf dem BMW Messestand stehenden Fahrzeuge visuell in Bewegung zu versetzen, um Fahrfreude zu suggerieren.

Gleiches gilt für alle anderen Organisationseinheiten und Dienstleister des Unternehmens, wie z. B. Werbung, Film und Fotografie, für die ein stehender BMW bestenfalls eine (gut begründete) Ausnahme der Regel Freude am Fahren sein sollte. —

Nicht zu vergessen: Solch eine Ausnahme ist das Corporate Design von BMW, das sehr konsequent ein- und umgesetzt wird, aber im Gegensatz zum bisher beschriebenen ist die Gestaltung eher statisch und undynamisch.

Und das ist sehr schlau so, denn es unterliegt keinen kurzlebigen Gestaltungstrends und lenkt vor allem nicht von der Darstellung der Fahrzeuge ab, den „Medien“ für das Erlebnis: Freude am Fahren.–

Last, but not least spricht Freude am Fahren vor allem auch eine bestimmte Kundschaft an. Nämlich Menschen, die gerne schnell vorankommen und „vorne“ sind oder es zumindest wollen. So wird (ein) BMW zum Symbol für Führungsstärke und Erfolg.

Und so wird aus der rationalen Triebwerkkompetenz des Unternehmens BMW, mithilfe der Kommunikationsidee „Freude am Fahren“, die emotionale Marke BMW. —

Corporate Idea + Konsequenz = Erfolg

Das Resultat: BMW ist seit Jahren der erfolgreichste Hersteller von Premiumautomobilen, auch wenn der Absatz 2008 um 5,8 Prozent zurückgegangen ist, denn es war immer noch (trotz der sog. Finanzkrise) das zweitbeste Absatzergebnis in der Firmengeschichte. —

Grundsätzlich gilt: Organisationen (gleich welcher Größe), die konsequent einer gemeinsamen Kommunikationsidee folgen, haben Erfolg. Alle anderen haben ein Problem. Quod erat demonstrandum.

Hier noch ein paar Beispiele:

Opel fehlt eine Corporate Idea. Mercedes-Benz hat eine und zwar „Prestige“, folgt ihr aber nicht konsequent genug.

Volkswagens erfolgreichste Kommunikationsidee war einmal „Think Small“ ( … gemeint war im weiteren Sinne „sei clever“), diese Idee hat VW, die ehemalige Käfermarke, groß gemacht.

Mittlerweile hat Volkswagen diese Idee an die (erfolgreiche) Tochter Skoda weitergegeben, leider nicht mehr mit der kreativen Kommunikationsqualität von damals ( siehe: www.greatVWads.com ) …

Die Konzernmarke selbst konzentriert sich in den vergangenen Jahren (mit Erfolg) wieder mehr und konsequenter (… wenn man einmal vom Oberklasse-Modell VW-Phaeton absieht) auf das „Volk“ im Namen und damit auf die Idee dahinter „demokratische Autos“ zu bauen, also Fahrzeuge, die den Bedürfnissen und Interessen der Mehrheit der Bevölkerung entsprechen.

Vorsprung durch Technik vs. Freude am Fahren.

Audi entwickelte sich seit rund 10 Jahren zu einem erstzunehmenden Gegner in der Automobilen Oberliga (vor allem für BMW) und ist heute eine der erfolgreichsten und zur Zeit krisenfesteste Premiummarke Deutschlands.

Der Grund: Audi wird seit den 1990er Jahren konsequenter als in den Jahren davor durch die Idee „Vorsprung durch Technik“ angetrieben. Das Unternehmen macht diese Idee vor allem mithilfe des Designs seiner Produkte sichtbarer und gibt „den Vorsprung“ so an die Fahrer weiter.


Während Seat, auch eine Marke des Volkwagen Konzerns, vergeblich versucht, mithilfe der Kommunikationsidee auto emoción“ von der südländisch temperamentvollen Automobiltradition zu profitieren, hier fehlt jedoch die (wichtige!) rationale und damit glaubhafte Basis, denn Spanien ist nicht Italien (= Alpha Romeo).

Dieses Problem hat Porsche nicht. Porsche folgt der gemeinsamen Idee „Belohnung“ und damit ist die Marke ein Symbol für überdurchschnittliche, herausragende Leistung. Und deren Produkte der Beweis. —

Nicht nur in der Automobilbranche zeigen Beispiele: Erfolgreiche Unternehmen folgen einer einfachen, gemeinsamen, motivierenden (Kommunikations-) Idee – je konsequenter (und das ist das Geheimnis) desto erfolgreicher …

Das zur Zeit wohl herausragende Beispiel für die Kraft einer gemeinsamen Idee ist „Think different“, die Kommunikationsidee des Unternehmens Apple Inc.

Eine Idee aus den Zeiten als der Underdog Apple gegen die Platzhirsche IBM und Microsoft antrat. Die rationale Grundlage dieser Idee war, dass die beiden Gründer von Apple Computer Inc. Steve Jobs und Steve Wozniak schon 1976 erkannten, dass der grafischen Benutzeroberfläche die Zukunft gehört.

Erst die grafische Benutzeroberfläche machte es den meisten Menschen möglich das damals noch neue „Werkzeug“ Computer (überhaupt) zu nutzen. Während die anderen Computer- und Softwareunternehmen, allen voran Microsoft, vor allem technisch getrieben waren/sind und sich auf das technisch Mögliche konzentrier(t)en und umsetz(t)en. Setzte Apple vor allem auf das für Menschen nachvollziehbare und nützliche.

Human Touch statt High Tech.

Konsequenterweise waren Apple Produkte nicht nur Technologieverpackungen, sondern Teil und damit Symbol eines neuen Lebensstils, dem sog. „digital Lifestyle“, indem konsequenterweise Design eine bedeutende Rolle spielt.

Die Kommunikationsidee „Think different“, wurde im Laufe der Jahre in allen Unternehmensteilen konsequent umgesetzt und immer wieder neu interpretiert, inszeniert und kommuniziert.

So stilisierte Apple seine User zu „Verbündeten“ und damit zu „Rebellen“ gegen den technokratischen Mainstream (…vor allem dem Quasi-Monopolisten Microsoft), zu „Kämpfern“ für Freiheit und Individualität – deren Symbol und Erkennungszeichen wurde der biblische Apfel der Erkenntnis.


Die Zeiten änderten sich, aber die Kommunikationsidee blieb – bis heute – ­treibende und leitende Kraft hinter allen Maßnahmen des Unternehmens.

Was letztendlich auch dazu führte, dass Apple ganz andere, völlig neue Geschäftsfelder entdeckte. Seit 2007 heißt der Erfinder des „digitalen Lifestyles“ konsequenterweise statt „Apple Computer Inc.“ nur noch „Apple Inc.“. Warum brauche ich wohl niemanden mehr zu erklären …

Wie wertvoll solch eine Kommunikationsidee und damit die Arbeit eines Kommunikationsdesigners sein kann, beweist ein Blick auf die Verkaufspreise der Apple-Produkte und damit der Umsatzrendite im Vergleich zum Wettbewerb. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob die Idee vordergründig kommuniziert wird, viel wichtiger ist es, sich von ihr inspirieren und leiten zu lassen. —

Apropos Wettbewerb …

Microsoft profitiert (noch) von seiner Quasi-Monopolstellung, die es der Finanzkraft des ehemaligen PC-Partners IBM zu verdanken hat, deshalb wird MS auf absehbare Zeit eine wichtige Rolle auf dem Software Markt spielen. Aber dem Unternehmen fehlt eine gemeinsame Idee und tut sich nicht zuletzt deshalb schwer mit neuen Produkten (vor allem ausserhalb des Kerngeschäfts „Software“). Außerdem: Die „Loyalität“ der MS-Kunden entspringt, im Gegensatz zu Apple, nicht aus einer Kommunikationsidee, sondern der Gewohnheit. —

Der Vollständigkeit halber und abschließend bemerkt: IBM ist längst – wie sooft in der langen Unternehmensgeschichte – auf ganz anderen Geschäftsfeldern erfolgreich, weil das Unternehmen konsequent einer gemeinsamen (Kommunikations-) Idee folgt, die der legendäre Chef von International Business Machines Inc. Thomas J. Watson sen. seinen Mitarbeitern bereits 1910 mit auf den Weg gab: „Think”.

Und der damit die Kommunikations- und Handlungsgrundlage für eines der wandlungsfähigsten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt legte.

„Think“ ist übrigens auch eine gute Idee für Kommunikationsdesigner. —

Schließlich und endlich meine Definition bzw. die Kurzversion der Antwort auf die Frage: „Was ist Kommunikationsdesign?“

Kommunikationsdesign ist Kreation einer Idee mit dem Ziel optimaler Wahrnehmung und Wirkung.

Die Konsequenz für das Denken und Handeln von Designern im 21. Jahrhundert:

“Form follows content.”

Dabei ist „Form“ heute, mehr denn je, gleichbedeutend mit „Media“  und „Content“ meint hier vor allem die überraschende, überzeugende Idee(!) -

Eins noch: Was im Großen, also für BMW, VW, IBM & Co. gilt, gilt besonders auch im Mittleren und im Kleinen, d.h. für die Bäckerei Müller, für das Rechtsanwaltsbüro Meier oder den Reparaturservice Mustermann … , denn die können sich Bedeutungslosigkeit und Ineffizienz noch viel weniger leisten.

Vor allem aber gilt es ganz besonders auch für Dich selbst, denn früher oder später musst auch Du mit anderen an einer Sache arbeiten.

Du musst außerdem andere wirkungsvoll auf Deine Leistung bzw. Deine besonderen Fähigkeiten aufmerksam machen. Und davon überzeugen dafür Geld auszugeben. —
Danke für die Aufmerksamkeit bis hierhin. Und: bis die Tage!

Richard Jung 2008

Was ist Kommunikationsdesign? 5. Teil

Samstag, 27. Dezember 2008

Was bisher geschah: Die Komplexität des 21. Jahrhunderts braucht gemeinsames Arbeiten, parallel und über unterschiedliche Bereiche hinweg, dieses wiederum braucht eine gemeinsame Basis. Diese Basis zu schaffen ist Aufgabe eines Kommunikationsdesigners. Fragt sich nur: Wie!?

Die Designdisziplin Corporate Identity ist dafür nicht (mehr) geeignet, denn der Denkansatz dahinter ist keine Lösung für die (Kommunikations-) Probleme unserer Zeit, weil komplexes verkompliziert wird. Es gilt demnach auch hier neu zu denken. – 


  
 

 

Die beste gemeinsame Basis miteinander zu arbeiten ist ein gemeinsames Denken und Handeln, das auf einen Sinn oder einen Zweck ausgerichtet sein muss. Dafür braucht man eine Idee! (gr. εἶδος (eidos) / ἰδέα (idea) = Vorstellung, Urbild, Muster)

Eine Idee ist weit mehr als nur ein origineller Einfall!

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet eine Idee eine geistige Vorstellung, einen Gedanken, eine Lösung für ein Problem. Beziehungsweise einen Plan, nach dem man handeln kann, um ein Problem zu lösen.

Die im Design und im Marketing oft verwendeten Begriffe „Strategie“ und „Konzeption“ meinen im Grunde genau das Gleiche wie der Begriff: „Idee“!
Wer einen Blick in den Fremdwörter-Duden wirft, findet dort folgendes: Konzeption = … Klar umrissene Grundvorstellung, Entwurf, Leitprogramm; Strategie = … Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein Ziel zu erreichen …

Philosophisch betrachtet geht von einer Idee darüber hinaus eine einigende und leitende Wirkung aus, die Aufmerksamkeit generiert und die Kraft hat sich auszudehnen! 

Ein Paradigmenwechsel: Idee statt Identität! 

Wenn man den Begriff „Identität“ durch „Idee“ ersetzt, ändert sich das Denken! Die Grenze zwischen Identität und Idee ist dann überschritten, wenn man nicht mehr sagt „Ich bin“, sondern „Ich stehe für“. Konkreter:

Eine Idee basiert auf der Motivation für seine Taten. 
Identität auf Erinnerungen und Erfahrungen.
 

Wer ein bisschen darüber nachdenkt, merkt, das ist ein riesiger Unterschied! Mit dem was war kann ich vor allem Fehler vermeiden, aber nichts Neues entdecken. Der Blick zurück hilft zu reproduzieren, ist bestenfalls Ausgangspunkt, aber das ist weder kreativ noch innovativ. Und – vor allem – nicht besonders motivierend. –
 

Wer über die Motivation nachdenkt, denkt plötzlich nicht mehr kompliziert über das Wesen an und für sich, sondern nur noch über das Wesentliche nach und bekommt eine klare Antwort auf die wirklich wichtigen Fragen:

Warum sollen sich Menschen für unsere Leistung interessieren? 
Und: Wofür stehen wir ( jeden Morgen auf )?

Eine einfache Antwort auf diese Fragen ist eine gemeinsame Idee (= corporate idea). Konsequent umgesetzt ist sie das Geheimnis funktionierender Kommunikation. Funktionierende Kommunikation ist die Grundlage für effiziente und effektive Zusammenarbeit und diese wiederum ist die Basis erfolgreicher Organisationen.–


Aufgabe eines Kommunikationsdesigners ist es ( … falls noch nicht vorhanden) diese Idee zu kreieren und sie mithilfe einer einfachen Botschaft nachvollziehbar und kommunizierbar zu machen oder ( … falls schon  vorhanden) diese Idee/Botschaft bekannt zu machen. Dabei hilft es, sich von ihr leiten zu lassen  – wie alle anderen auch, die gemeinsam an dieser Idee arbeiten. –

  

Halten wir für heute fest: Am Anfang gemeinsamen Tuns ist die Kreation einer gemeinsamen Idee.  Alles beginnt demnach mit Kommunikationsdesign. –

Zu theoretisch? Beim nächsten Mal folgen ein paar praktische Beispiele.

Bis die Tage!

Richard Jung 2008  

Was ist Kommunikationsdesign? 4. Teil

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Was bisher geschah: Während viele noch gedanklich im Industriezeitalter hängen bleiben, sind diejenigen erfolgreich, die das Prinzip „Multitask“ des digitalen Zeitalters richtig verstanden haben. Und umsetzen. Das gilt nicht nur, aber auch, für (Kommunikations-) Designer. 

Je mehr Menschen miteinander an einer Sache arbeiten, umso wichtiger ist eine gemeinsame Basis. Für viele sind „Corporate Identity und Corporate Design“ solch eine Basis … 

Corporate Identity? Corporate Design? Was ist das eigentlich genau?

Corporate Identity und Corporate Design, auch CI/CD genannt und oft synonym verwendet, haben sehr viel mit Kommunikationsdesign zu tun: Beide Begriffe stammen aus dem angelsächsischen Sprachraum und ersetzten, etwa ab den 1970er Jahren, die deutsche Bezeichnung „Einheitliches Erscheinungsbild“, maßgeblich geprägt vom Multitalent (Architekt, Industriedesigner, Maler und Grafiker) Peter Behrens.

  Peter Behrens  (*1868 †1940)

Übersetzt man die einzelnen Wörter aus dem Englischen heißt „corporate“ gemeinsam oder vereinigt und „Identity“ Gleichheit (lat. Idem = die-, der-, dasselbe). Design bedeutet übersetzt (hier) Ausführung bzw. Ausgestaltung.

Corporate“ wird von vielen auch mit  Corporation“ (= Körperschaft) gleichgesetzt und übersetzt. Dabei geht es, wie schon zu Peter Behrens Zeiten, um die formal gleiche Ausgestaltung von Unternehmen (= Logo, Typografie, Drucksachen, Architektur, Verpackungen, Orientierungssystem etc.), also um das einheitliche Auftreten einer Organisation und deren meist heterogenen Einheiten.

Etwa seit dem vorletzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kamen verstärkt strategische und damit inhaltliche Aspekte ins Spiel. Der Grund auch hier: Die Digitalisierung.

Auch in den Unternehmen veränderte die digitale Revolution alles.

Märkte, Kunden, Wettbewerb, Vertrieb, Technik, nichts blieb wie es war. Neue Strategien, Outsourcing, andere sog. Business-Trends und (immer wieder) Rationalisierungsmaßnahmen prägten die vergangenen Jahrzehnte und sollten helfen auf Veränderungen angemessen zu reagieren. Konnten es aber nicht, wenn sich Strukturen, Prozesse und vor allem (!) das Denken nicht änderten.

Plötzlich stellten sich Organisationen sehr menschliche Fragen: „Wer sind wir eigentlich? Sind wir immer noch diejenigen, die wir einmal waren? Was bedeuten wir den anderen? Wo gehören wir hin?“ Im Prinzip, ein klassischer Fall für einen Psychologen. –
 


Die Orientierung fehlte. Identity gewann an Bedeutung.
Und damit das
„I“
in CI/CD.

In unruhigen und unübersichtlichen Zeiten wurde eine andere Deutungsmöglichkeit von Corporate Identity aktuell, nämlich die der Sozialen Identität.  Fachleute (meist weder Psychologen noch Soziologen) und deren Fachbücher sprachen nun von „einem Instrument die Unternehmensziele zu erreichen“, „von strategisch geplanten und operativ eingesetzter Selbstdarstellung“,  „Unternehmensidentität“ oder „Unternehmensphilosophie“, von „Selbstverständnis“, von „Missionen und Visionen“ von „Charakter“ oder „der Persönlichkeit einer Organisation“.

Visionen? Philosophie? Charakter? Persönlichkeit?  Das alles machte  die Sache nicht einfacher (vor allem zu kommunizieren). Ganz im Gegenteil. –
 


Identität ist ein schwer zu fassender Begriff.

In der Psychologie bezeichnet man die Gesamtheit dessen, was ein Mensch als zu sich selbst gehörig wahrnimmt, als das Selbst. Die Identität ist ein Teil davon. Sie beinhaltet das, was ein Mensch von sich denkt, dass es ihn ausmache. Zur Identität gehört, dass man sich von anderen unterscheidet.

Soziale Identität ist das, was eine Person in der sozialen Beziehungswelt, in dem sozialen Gefüge, in dem sie sich bewegt, kennzeichnet und unterscheidet. Veränderungen im sozialen Kontext beeinflussen demnach die Identität… das ist alles sehr kompliziert und gilt nur für ein Individuum. CI meint jedoch (komplexe) Organisationen!? –

Identität ist (im Prinzip) nicht falsch, aber der falsche Denkansatz, weil er eine komplizierte Sache noch komplizierter macht.

Hinzu kommt: Rapide Veränderungen und Unwägbarkeiten sind die prägenden Faktoren des 21. Jahrhunderts. In unübersichtlichen Zeiten des Wandels brauchen Menschen feste Größen, die ihnen Orientierung und Sicherheit geben.

Wenn vertraute Sicherheiten und Orientierung verloren gehen, wenn das Alte nicht mehr gilt, aber das Neue noch nicht sichtbar ist, stürzen Menschen in eine Identitätskrise. Das gilt auch für Organisationen. ­–

So gesehen ist Identität für Wirtschaftsunternehmen eher kontraproduktiv. Das, was (eigentlich und nur) gebraucht wird, um synergetisch (und damit effizient und effektiv) zu handeln, ist eine einfache, nachvollziehbare, gemeinsame Idee bzw. ein Leitmotiv oder Leitbild für Mitarbeiter, Management UND vor allem auch für deren Kunden.

Motiv!? Bild!? Idee!? Hört sich nach einem Job für einen Kommunikationsdesigner an! Fortsetzung folgt.

Bis die Tage.

Richard Jung 2008  

Was ist Kommunikationsdesign? 3. Teil.

Freitag, 5. Dezember 2008

Was bisher geschah: Kommunikationsdesign ist kein Styling. Kommunikationsdesign ist mehr als Grafikdesign. Kommunikationsdesign nutzt nahezu alles als Medium. Kommunikationsdesign ist deshalb komplex und hat vor allem etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. ­­–

Es gibt heute nicht mehr nur den Grafikdesigner, sondern Editorialdesigner, Typedesigner, Photodesigner, Corporatedesigner, Interfacedesigner, Advertisingdesigner, Digitaldesigner, Animationdesigner, Illustrationdesigner und…und… und… Analog zur medialen Expansion vervielfältigen sich auch die Möglichkeiten zu gestalten.

Kommunikationsdesign ist zunächst einmal ein Sammelbegriff.

Bisher existieren und arbeiten die unterschiedlichen Designdisziplinen nebeneinander her oder hintereinander weg. Und nicht nur die – höchste Zeit, dass sich im neuen Zeitalter etwas grundlegend verändert!

Werfen wir noch einmal einen Blick zurück nach vorn: In allen Designdisziplinen ging es und geht es noch, bis auf sehr wenige Ausnahmen, die ihrer Zeit weit voraus waren ( z.B. Peter Behrens, Walter Gropius, Dieter Rams, Otl Aicher), in erster Linie um das schön gestylte Einzelteil, welches funktionale Anforderungen so ästhetisch wie möglich befriedigt. Das lag und liegt vor allem daran, dass der Designer am Ende eines linearen Produktionsprozesses steht.

Innovation ist wertvoller als Produktion.

Der Taylorismus (= „einer nach dem anderen“ oder „Schritt für Schritt“ und „Stille Post“) war das Maschinen-, Fließband- bzw. Organisationsprinzip des Industriezeitalters.

Heute, in einer Zeit, in der immer weniger in der Produktion, sondern in der Entwicklung bzw. Innovation und deren Vermarktung (!) die Wertschöpfung liegt, ist lineares Denken und Arbeiten zu zeitintensiv und ineffizient.

Die Linie als Organisations-Prinzip hat ausgedient. Auch das Bild „Vernetzung“ ist unzureichend, denn es beschreibt nur ein Nebeneinander. Was gebraucht wird ist aber ein Miteinander!

Heute geht’s ums Ganze – ‘Multitask‘ ist der neue ‘Taylor‘.

Das tayloristische Prinzip des Industriezeitalters wird abgelöst vom Prinzip des Medien- & Digitalzeitalters: Multitasking. Ein Begriff, der wie kein anderer beschreibt, warum die digitale Technik unsere Gesellschaft und unsere Ökonomie verändert.

Das Prinzip „Multitask“ ist, bezogen auf einen einzelnen Menschen, inhuman, denn der Mensch ist von Natur aus nicht wirklich multitaskingfähig. Aber bezogen auf die Gemeinschaft bekommt das Prinzip „Multitask“ eine völlig neue Bedeutung. Und damit auch der Begriff „sozial“ für die Wirtschaft.

Kooperation und Interaktion statt Operation und Reaktion.

Innovationen entstehen zunehmend an den Grenzen, den Schnittmengen. Synergien entstehen vor allem dort, wo Bereiche, die sonst getrennt sind zusammenkommen und –arbeiten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit das kollektive und persönliche Handeln nicht separat, sondern integrativ auszurichten.

Mit anderen Worten: Miteinander arbeiten erfordert ein anderes Denken und andere Fähigkeiten als neben- oder hintereinander. Das gilt auch, aber nicht nur, für (Kommunikations-) Designer! In den vergangenen einhundert Jahren ist viel davon verloren gegangen. Es ist jedoch schnell wieder zu erlernen, denn Kooperation und Interaktion ist ein Urprinzip der Natur. Nichts anders passiert gerade in Deinem Körper. Fortsetzung folgt.

Bis die Tage!

Richard Jung 2008  

Was ist Kommunikationsdesign? 2. Teil

Montag, 1. Dezember 2008

Was bisher geschah: Zuerst studierte man (nur) „Grafikdesign“ (Papier). Dann „Visuelle Kommunikation“ (Papier und elektronische Medien). Die Demokratisierung der Gestaltung durch die Digitalisierung wirft ästhetische Paradigmen und damit alte Ordnung über den Haufen. Jeder wird Sender, alles wird Medium und Aufmerksamkeit Ware. Ein Trend jagt den nächsten, längst herrscht Kommunikations-Anarchie im Land. Und seit ein paar Jahren heißt der Studiengang: „Kommunikationsdesign“.
 

 

Schon mal darüber nachgedacht warum man Kommunikationsdesign studiert?

Schließlich kann man doch auch Mediengestalter lernen und sich anschließend problemlos Designer nennen. Wie Friseure (= Hair-Designer), Fußpfleger (= Nail-Designer), Autoschrauber (= Tuning & Design) oder neuerdings Fitnesstrainer (= Body-Designer) auch? Alles ehrbare und nichts gegen diese Berufe, aber es muss doch einen Unterschied geben zwischen Kommunikationsdesign und Mediengestaltung!? –

Zunächst einmal: Im Studium hast du die Möglichkeit nicht nur zu lernen wie etwas geht, sondern Wissen zu schaffen. Über die Dinge nachzudenken. Ihnen auf den Grund zu gehen. Sie in Frage zu stellen. Neu zu denken. Zu kreieren. Zu entwerfen. Zu gestalten. Und damit sind wir wieder beim Thema: Design. Stellen wir des Weiteren noch ein paar andere Dinge klar:

Es gibt Designer. Vor allem aber gibt es heute Stylisten.

Das Handwerk „Mediengestaltung“ beherrscht heute nahezu jeder, der die entsprechende Software auf seinem PC installiert und sich ein bisschen mit dem Thema vertraut gemacht hat. Vieles, was sich heute Design nennt, ist austauschbares Styling. Manchmal hübsch gemacht, aber oft zu kurz bzw. oberflächlich gedacht. Im Prinzip nichts anderes als Make-up. Damit ist heute kein Geld mehr zu verdienen, weil es kaum Beachtung findet.
 

 

Der grafische Stylist ist der Industriearbeiter des 21. Jahrhunderts.

Zu immer billiger werdender Lohnarbeit verdammt und von Outsourcing bedroht. Zukunftsmusik!? Schon heute lässt der Springer Verlag Heidelberg (…das ist NICHT der mit der BILD-Zeitung) die Inhalte der Bücher von den Autoren direkt in standardisierte Dateien schreiben. Diese werden lektoriert und via Email rund 13.000 km weit weg,  auf die Philippinen, geschickt. Dort sitzen sehr gut ausgebildete Grafikdesigner, welche die Bücher im Akkord professionell gestalten und reinzeichnen. Ein guter Job für einen Philippino. Er bekommt dafür in etwa das Monatsgehalt eines philippinischen Arztes. Gut auch für den Verlag, denn der würde in Deutschland, am unteren Rand kalkuliert, ungefähr 10 mal soviel bezahlen.–

Die Reinzeichnungen reisen übrigens via Email in Sekundenschnelle  nach Polen, dort werden die Bücher gedruckt und danach geht’s zum Verkauf zurück nach Deutschland.

Halten wir für heute nur fest: Es geht nicht darum viel zu bieten, sondern möglichst etwas, was andere nicht können. Fortsetzung folgt.

Bis die Tage!

 
Richard Jung 2008  

Was ist eigentlich Kommunikationsdesign?

Freitag, 28. November 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was willst du mal werden? Auf diese Frage antworten die meisten Studienanfänger zögerlich. Anfangs dachte ich: „Ist ja auch eine blöde Frage. Die sitzen hier und wollen Kommunikationsdesigner werden.“

Aber was ist eigentlich Kommunikationsdesign? Stellt man diese Frage hört man oft folgende Antworten: „Irgendetwas mit Gestalten und Drucken!? … Bücher, Zeitschriften, T-Shirts … Auch mit Zeichnen!? …am liebsten Kinderbücher … Und: Typografie, Fotografie, Film oder Internet und/oder irgendwas mit Werbung!? … Agentur … Anzeigen, Broschüren, Anzeigen, Spots, Websites und so.“

Die unsicheren Reaktionen sind nur auf den ersten Blick verwunderlich. Kaum ein Berufszweig hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten so radikal verändert und gleichzeitig so wenig darauf reagiert. Dabei meine ich NICHT die Technik, also das Handwerkszeug (…da wird „upgedated“ was das Zeug hält), sondern die Prozesse und das Denken. –

 

Vom Grafikdesign zur Visuellen Kommunikation.

Werfen wir einen Blick zurück: Es ist noch gar nicht so lange her, da dominierten die Printmedien die Szene. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren, Plakate, Anzeigen wurden gebraucht, um den Menschen Informationen näher zu bringen. Und: Um Geld zu verdienen.

All diese Aufgabe übernahmen – gegen Honorar – Grafikdesigner. Außerdem hatten sie im Angebot: Corporate Design. Damals noch „Erscheinungsbild“ genannt und beschränkt auf Logo, Typo, Farben, die Geschäftsausstattung und den Geschäftsbericht…

Dann gab es da noch die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten (Radio und TV) föderal geordnet und, bis auf wenige Ausnahmen, frei von Werbung. Anfang der 1980er Jahre ging das sog. Privatfernsehen an den Start.

Fernsehen wurde privat und das mediale Leben vielfältiger, bunter, lauter.

Diese Sender werden (wie der Name schon sagt) privat finanziert. Statt GEZ Gebühren werden Werbeeinnahmen gebraucht. Für den „TV-User“ kostet Privatfernsehen zwar kein Geld, ist aber auch nicht umsonst. Man bezahlt mit Aufmerksamkeit (…heute, im Internet, ist das übrigens auch nicht anders – aber das nur am Rande). Fehlt diese Währung „Aufmerksamkeit“ hat der Sender ein Problem (…aber davon später mehr).

Es entstanden plötzlich zahlreiche neue Betätigungsfelder für Grafikdesigner. Nicht nur in den TV-Sendern selbst, auch für diejenigen, die Ihr Geld mit Auftragsarbeiten aus der Wirtschaft verdienten, änderte sich einiges. Die neuen Jobs hatten immer weniger mit Drucksachen, sondern mehr und mehr mit bewegten Bildern und Tönen zu tun, es waren neue Medien, die völlig neues Design-Know-how verlangten.

Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, wurde, in den späten 80ern, aus dem Grafikdesign Studium von einst der Studiengang „Visuelle Kommunikation“. Die Lehrangebote an den meisten Hochschulen änderten sich jedoch kaum, denn das Curriculum konnte nicht so schnell gewechselt werden wie der Name des Studiengangs. Und schon folgte, in den 1990er Jahren, die nächste, noch heftigere Revolution, die digitale.
 


  
Jeder ist Sender.

Die Digitalisierung war der Urknall eines neuen Zeitalters. Unsere Industriegesellschaft wandelt sich zur Mediengesellschaft. Design wurde demokratisiert. „Herrschaftswissen und -fähigkeiten“ wurden, dank des PCs, allgemein zugänglich. Jeder konnte plötzlich mehr oder eher weniger professionell gestalten. Und kommunizieren. Der Content, der Inhalt, wurde wichtiger als die Form.

Andererseits: Die Medialisierung ging einher mit einer Ästhetisierung der Oberfläche. Viele Grafikdesigner nahmen dankbar dieses Thema an. Vernachlässigten ihrerseits jedoch zu oft den Content. Die Form wurde wichtiger als der Inhalt.

Alles ist Medium.

Die Oberfläche oder zeitgemäßer ausgedrückt das „Interface“ wird zum dominierenden Terrain für professionelle Gestalter. „Interface“ meint dabei schon längst nicht mehr nur digitale Berührungspunkte. Jeder Kontaktpunkt mit einem potentiellen Empfänger einer Botschaft ist heute ein potentieller Übertragungskanal, denn immer mehr Sender wollen immer mehr empfangen werden. Alles wird Medium und Aufmerksamkeit zu einer knappen Ressource. Und damit zur Ware.

Ressource Aufmerksamkeit.

Der Wettbewerb um die „Ressource Aufmerksamkeit“ bietet Kommunikationsdesigner große Chancen, die vielfach (noch) ungenutzt bleiben, denn Kommunikation über viele Kontaktpunkte hinweg muss kreiert, koordiniert – oder besser konzertiert – werden, um Synergien zu erzeugen, sonst gehen Mitteilungen in der allgemeinen medialen Kakophonie unter.
   
Ganzheitliche Kommunikation und neues Denken.

Ganzheitliche Kommunikation wird zum bestimmenden Thema. Die Botschaft bestimmt die Medienauswahl. Das zwingt zu neuem Denken. In einer Welt, die sicher immer schneller dreht, in der die Komplexitätsrate exponentiell zunimmt, zählt paradoxerweise Rationalität immer weniger. Denn:

Rational ist austauschbar.

Angebote im Medienzeitalter brauchen – mehr denn je – das Besondere, das Originelle, das Kreative, denn alles andere existiert nicht, weil es nicht wahrgenommen wird. Rational denken bedeutet 1+1 = 2, also „richtig denken“. Markt- und Trendforschung sind die Instrumente der Rationalisten. Deren Ergebnisse suggerieren Sicherheit in unvorhersehbaren Zeiten,  werden dankbar angenommen und 1:1 umgesetzt.
 

Bildlich gesprochen: Rationales Denken lässt Züge fahren, auf die (zu) schnell (zu) viele aufspringen ohne das Ziel der Reise zu kennen. So entstehen in immer kürzeren Abständen „Trends“ und damit kurzlebige, oberflächliche Erscheinungen.

Jeder gute Kaufmann weiß: Man kann kurzfristig problemlos viel Umsatz generieren, aber der Preis dafür ist in der Regel sehr hoch. Nur nachhaltiges Wirtschaften rechnet sich. Und auch dem haben Designer Rechnung zu tragen, denn vom Geld der Kaufleute leben sie…

Was bedeutet das für designkrefeld Studierende? Was für den Beruf an und für sich? Und was ist mit der Antwort auf die Frage: Was ist Kommunikationsdesign? Fortsetzung folgt.

Bis die Tage!

 
Richard Jung 2008