Die Zukunft (des Designs) ist sozial.
Donnerstag, 26. August 2010„Sozial“ klingt weder cool noch sexy. „Sozial“ klingt irgendwie alt, von gestern, unmodern. Genauso wie Sozialstaat, Sozialamt, Sozialwesen oder Sozialismus. „Sozial“ klingt nach: bedürftig, abhängig, Gesellschaftsballast. Kurz: „Sozial“ hat ein sehr mieses Image in Deutschland. Warum eigentlich?
Sozialstaat, Sozialamt, Sozialwesen, Sozialismus.
„Sozial“ kommt vom lateinischen Wort für „gemeinsam, verbunden“ und bezeichnet „wechselseitige Beziehungen als eine Grundbedingung des Zusammenlebens.“ (Wikipedia).
Das klingt gut, scheint aber heute ein Problem zu sein, denn die wechselseitigen Beziehungen fehlen. Unsere Grundlage ist eher: „Jeder ist sich selbst am Nächsten.” Und kaum hat man diesen Satz geschrieben, klingt man auch schon wieder alt, von gestern, unmodern – halt irgendwie „sozial“.
Dabei hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts der technologische Fortschritt etwas erreicht, was knapp 100 Jahre vorher der revolutionär erzwungene Sozialismus nicht erreicht hat. Der Mensch wird zunehmend freiwillig sozial.
Und siehe da! „Sozial“ ist heute doch irgendwie cool und sexy und gar nicht alt oder unmodern, allerdings nur unter Verwendung des angelsächsischen Synonyms: „social“ – den „Social Networks“ sei dank.
Social Commitment.
Wir erleben zur Zeit die Geburt einer völlig neuen Form des bürgerschaftlichen und damit des sozialen Engagements. Schon heute nutzen Tausende, die bereit und willens sind die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen, die neuen, technologischen bzw. medialen Möglichkeiten für die Organisation von politischem Protest und/oder zur Bewältigung sozialer Probleme.
Und es gibt viel zu tun, die Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene sind vielfältig und groß, oft zu groß für die gewohnten Strukturen und politischen Prozesse, deshalb kommt diese neue, technologisch getriebene Möglichkeit genau zur richtigen Zeit.
Economic Socialisation.
Aber nicht nur Bürger, auch Unternehmen sollten und müssen an diesen sozialen Herausforderungen arbeiten, wenn sie ihre wirtschaftlichen Grundlagen und darüber hinaus eine ökonomische Perspektive sichern wollen.
In der Konsequenz heißt das, weniger Marketing mehr „Socializing“ und das heißt, umdenken. Es geht heute nicht mehr primär um die Leistung eines Unternehmens, einer Marke, einer Dienstleistung oder eines Produkts, sondern vor allem geht es heute um die Fragen: Welche Rolle spielt das Unternehmen, die Marke, die Dienstleistung, das Produkt innerhalb des sozialen Gefüges? Und welche wechselseitigen Beziehungen kann ein Unternehmen, eine Marke, eine Dienstleistung oder ein Produkt aufbauen und pflegen?
Dabei geht weniger um Eigennutz, sondern viel mehr um Gemeinsinn. Die Betonung liegt auf „Sinn“, denn noch beherrscht bei den Meisten der Zweck das Denken. –
Social Design.
Gefordert und in der Verantwortung sind hier vor allem auch Designer (aller Disziplinen), denn sie haben es in der Hand die Dinge (= Unternehmen, Marken, Dienstleistungen, Produkte) neu zu gestalten und damit auch die sozialen, politischen und geistigen Strukturen.
Die Zukunft ist sozial, wer das begreift und entsprechend handelt, hat auch eine – so einfach ist das.
Abschließend noch ein sehr schönes und vorbildliches Beispiel dafür,
wie sozial Werbung sein kann – Bitte hier klicken.


